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Günter Jeschonnek (Hg.): Darstellende Künste im öffentlichen Raum. Transformationen von Unorten und ästhetische Interventionen.

Was können die darstellenden Künste im öffentlichen Raum bewirken? Wie können sogenannte Unorte durch die darstellenden Künste belebt werden? Und welche Möglichkeiten bietet der öffentliche Raum für freie Künstlergruppen? Die Publikation „Darstellende Künste im öffentlichen Raum“ beschäftigt sich mit diesen und weiteren Fragen und schließt das Sonderprojekt „Unorte – Theater im öffentlichen – Raum“ ab. Aufgeteilt ist die Publikation in drei Schwerpunkte.

Zunächst wird das Sonderprojekt „Unorte“ vorgestellt, das vom Bundesverband Theater im Öffentlichen Raum und Fonds Darstellende Künste bereits im Sommer 2012 initiiert wurde. Als Einleitung beleuchtet Matthias Däumer, der akademische Fachberater des Projekts, den Begriff „Unort“ und schildert, wie dieser im Rahmen des Projekts definiert und gedeutet wurde: „über ein Re-Präsentieren der Geschichte, ein aktives Neu-Verorten des Verlorenen und eine Ort-Werdung des Unfassbaren.“ (Däumer, 2017) Gefördert wurden im Sonderprojekt „Unorte“ insgesamt 18 Theater- und Tanzprojekte, die im öffentlichen Raum bzw. für den öffentlichen Raum produziert wurden. Diese Produktionen werden im ersten Teil des Buches genauer vorgestellt. Hier werden das Ziel der jeweiligen Produktion, Resonanz und Herausforderungen sowie Wünsche an das Projekt und die jeweiligen Akteure behandelt. Den Gruppen gelang es, mit ihren jeweiligen Produktionen, das Interesse und die Beteiligung von Bürger*innen zu fördern, sie konnten im Sinne des Audience Development neue Zielgruppen erreichen. Auch eine Sensibilisierung der Zuschauer*innen für die Künste im öffentlichen Raum konnte durch das Projekt gefördert werden. In seinem Fazit zum Projekt beschreibt Günter Jeschonnek den öffentlichen Raum als Theaterraum der Zukunft. Auch die Beteiligten plädieren für mehr Förderung und Anerkennung für Projekte im öffentlichen Raum, sowohl in kulturpolitischer als auch in gesellschaftlicher Perspektive, da es sich hier um die demokratischste aller Kunstformen handele. Geäußert wurde zudem der Wunsch nach öffentlich geförderten und geschützten Kunsträumen.

Der zweite Teil der Publikation stellt den Tagungsbericht zum internationalen Symposium „Darstellende Künste im öffentlichen Raum“ dar. Es fand im Rahmen des Projektes vom 1. bis 3. März 2015 in Berlin statt. Eingeteilt wurde das Symposium in vier Podiumsrunden und zwölf einleitende Impulsreferate. Das erste Podium beschäftigte sich mit Fragen nach den Rahmenbedingungen für wirksames und gesellschaftlich relevantes Theater im öffentlichen Raum. Die Vielfalt und das ästhetische Spektrum der darstellenden Künste im öffentlichen Raum wurde im zweiten Podium reflektiert. Im dritten Podium wurden „Wechselbeziehungen von künstlerischen Interventionen im öffentlichen Raum und Veränderungsprozessen in der Zivilgesellschaft, der Stadtentwicklung und des ländlichen Raums“ diskutiert. „Neue Handlungsfelder, Strategien und Perspektiven der darstellenden Künste im öffentlichen Raum“ wurden im vierten Podium erörtert.

Neben der Vorstellung der Projekte und dem Tagungsband werden im dritten Teil des Buches nun noch zehn Gastbeiträge mit dem Schwerpunkt Theater im öffentlichen Raum publiziert. Frauke Surmann beschäftigt sich mit ästhetischen In(ter)ventionen im öffentlichen Raum, „Über die Kunst der Partizipation zwischen Instrumentalisierung und Aktivierung“ referierte Hilke Berger. Mit dem Thema Creative Spacing befasst sich Katja Drews in ihrem Beitrag. Thomas Kaestle beleuchtet die Thesen Hilmar Hoffmanns zur Kunst im Stadtraum und stellt sich die Frage, wie demokratische Kunst funktioniert. Die Ausstellung DEMO:POLIS beschäftigt sich mit dem Recht auf öffentlichen Raum und wird von Barbara Hoidn vorgestellt. Florian Matzner legt seinen Fokus auf Stadt und Öffentlichkeit im 21. Jahrhundert, während sich Florian Heilmeyer Mentalen Monumenten widmet. Hanno Rauterbert beleuchtet die Möglichkeiten die das Internet für das öffentliche Leben bietet. Mit dem Thema „Urbanität kuratieren?“ beschäftigen sich Vanessa Weber und Gesa Ziemer und plädieren für einen erweiterten Nachhaltigkeitsbegriff durch die Kunst. Der letzte Beitrag von Hilke Berger und Thomas Kaestle stellt einen „Schulterblick nach Vorn“ dar und reflektiert noch einmal das Symposium.

Für wen ist das Buch interessant? Wer ist die Zielgruppe?

Das Buch zeigt die Möglichkeiten von Kunst im öffentlichen Raum, wie die Neubewertung oder Identifikationsmöglichkeiten für Besucher*innen, auf. Leser*innen können sich von dem Buch neue Sichtweisen auf die darstellenden Künste im öffentlichen Raum aneignen. Das Buch ist interessant für Akteur*innen der freien Szene und der Kulturbranche, Künstler*innen, für Kulturbeauftragte und Kommunen, für Wissenschaftler*innen und alle, die sich für Theater- und Tanzprojekte im öffentlichen Raum interessieren.

Weitere Informationen zum Buch:

  • Verlag: Theater der Zeit, Berlin
  • Erschienen: 2017
  • ISBN: 978-3-95749-087-2

Link zum Buch: http://www.theaterderzeit.de/buch/darstellende_k%C3%BCnste_im_%C3%B6ffentlichen_raum/

Link zum Bundesverband Theater im öffentlichen Raum e.V.: http://www.theater-im-oeffentlichen-raum.de/index.php/de/home.html

Zitierte Literatur: Däumer, Matthias: Vom Unort zur Verunortung. In: Jeschonnek, Günter (Hg.): Darstellende Künste im öffentlichen Raum. Ein Projekt vom Bundesverband Theater im öffentlichen Raum und Fonds darstellende Künste. (Verlag: Theater der Zeit) Berlin 2017, S. 18–21, hier S. 21.

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